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Neue Bundesbank-Projektion: Deutsche Wirtschaft wächst verhalten

Deutsche Bundesbank, Pressenotiz vom 7.6.2019

Nach einer Phase der Hochkonjunktur kühlt sich die Wirtschaft in Deutschland gegenwärtig spürbar ab. Die binnenwirtschaftlichen Auftriebskräfte sind zwar nach wie vor intakt, doch die konjunkturelle Grundtendenz ist nur verhalten. Ausschlaggebend hierfür ist der Abschwung in der Industrie, die unter dem schleppenden Export leidet. Der aktuellen Projektion der Bundesbank zufolge sollten die Ausfuhren ab der zweiten Hälfte dieses Jahres jedoch nach und nach wieder stärker zulegen. Dann sollte auch die Industrie wieder mehr produzieren. „Die derzeitige Zweiteilung der deutschen Konjunktur dürfte sich zurückbilden“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann anlässlich der neuen gesamtwirtschaftlichen Vorausschätzungen. „Sobald die Auslandsnachfrage in Gang kommt, wird das Wachstum der deutschen Wirtschaft wieder auf einem breiteren Fundament stehen“, so Weidmann. Weiterhin solide dürften der private Konsum und die Investitionen steigen. Stützende Impulse für die Binnenkonjunktur kämen dabei von der Finanzpolitik. In den kommenden beiden Jahren dürften der private Konsum und die Investitionen der Projektion zufolge allerdings etwas schwächer als im laufenden Jahr zunehmen. Hier wirkt sich unter anderem die demografische Alterung aus, infolge derer die Beschäftigungszuwächse erheblich nachlassen.

Gesamtwirtschaftliche Produktion

Vor diesem Hintergrund erwarten die Volkswirte der Bundesbank, dass das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr kalenderbereinigt um lediglich 0,6 % wächst. Im kommenden Jahr dürfte die Dynamik mit 1,2 % jedoch wieder spürbar höher sein. Im Jahr 2021 könnte sie sich nochmals geringfügig verstärken und wieder das Tempo erreichen, mit dem die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten ausgeweitet werden. Nach Einschätzung der Bundesbank-Fachleute werden  die Kapazitäten im gesamten Projektionszeitraum spürbar stärker als normal ausgelastet sein.

Preisentwicklung

Die Inflationsrate gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) schwächt sich der Bundesbank-Projektion zufolge deutlich von 1,9 % im Jahr 2018 auf 1,4 % in diesem Jahr ab. Dies liegt vor allem an der geringeren Steigerung der Energiepreise. Für die kommenden beiden Jahre wird dann nur eine allenfalls geringfügige Verteuerung von Energie prognostiziert. Andere Waren und Dienstleistungen dürften sich hingegen aufgrund steigender Importpreise und des andauernden Lohndrucks von Jahr zu Jahr etwas stärker verteuern. Daher sollte die Inflationsrate ohne Einfluss von Energie und Nahrungsmitteln von 1,3 % im vergangenen Jahr auf 1,7 % im Jahr 2021 anziehen. „Die Inflationsrate insgesamt dürfte im kommenden Jahr 1,5 % betragen und im Jahr 2021 auf 1,7 % steigen“, so Weidmann.

Risikobeurteilung

Verglichen mit der Vorausschätzung aus dem vergangenen Dezember erwarten die Fachleute der Bundesbank jetzt vor allem für das Jahr 2019 ein erheblich geringeres Wirtschaftswachstum. Den Anstieg der Verbraucherpreise schätzen sie besonders für das Jahr 2020 geringer ein. „Aus heutiger Sicht überwiegen für das Wirtschaftswachstum und in geringerem Umfang für die Inflationsrate die Abwärtsrisiken“, betonte der Bundesbankpräsident.

Projektion Juni 2019

Veränderung ggü. Vorjahr in % 2018 2019 2020 2021
Reales BIP, kalenderbereinigt 1,5 0,6 1,2 1,3
Reales BIP, unbereinigt 1,4 0,6 1,6 1,3
Harmonisierter Verbraucherpreisindex 1,9 1,4 1,5 1,7
Harmonisierter Verbraucherpreisindex
ohne Energie und Nahrungsmittel
1,3 1,5 1,6 1,7

Quelle: Statistisches Bundesamt. 2019 bis 2021 eigene Projektion.

Monatsberichtsaufsatz und Daten

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 12. Juni 2019 10:14

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