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Institut der Wirtschaftsprüfer: Bankenbilanzierung und -prüfung 2010

Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. 8. Dezember 2009, Presseinformation 9/2009

IFRS 9/IAS 39: Zur Zukunft der Fair Value-Bewertung

Mit dem International Financial Reporting Standard 9 „Financial Instruments“ hat das IASB in einem ersten Schritt die Ersetzung der IAS 39-Regelungen zur Kategorisierung und Bewertung von finanziellen Vermögenswerten vorgeschlagen. Durch die EU-Kommission wurde die Entscheidung über ein Endorsement von IFRS 9 vertagt.

„Die Entscheidung der EU-Kommission ist wohlüberlegt“, unterstreicht Dr. Klaus-Peter Feld, geschäftsführendes IDW Vorstandsmitglied. „Viele Fragen zur Umsetzung von IFRS 9 und die Rückwirkungen aus den übrigen Teilprojekten sind ungeklärt. Die Situation ist damit noch nicht entscheidungsreif.“ Das IDW unterstützt weiterhin die Entwicklung einer einheitlichen Bilanzierungssprache auf der Grundlage der IFRS. „Europäische Alleingänge lehnen wir ab“, sagt Feld. Daher muss bis zu einer endgültigen Entscheidung über IFRS 9 der IAS 39 in seiner bisherigen Form fortgelten und darf nicht durch europäische Sonderregeln modifiziert werden.

In IFRS 9 wird die Bewertung von finanziellen Vermögenswerten nicht ausschließlich von den vertraglichen Charakteristika des Finanzinstruments abhängig gemacht, sondern auch von der Verwendungsabsicht im Rahmen des Geschäftsmodells des bilanzierenden Unternehmens. Die Grundkonzeption von IFRS 9 ist insoweit zu begrüßen, als die beabsichtigte Nutzung bzw. Verwertung eines finanziellen Vermögenswerts darüber entscheidet, welchen Wert er für das Unternehmen verkörpert.

Allerdings wird der Begriff des Geschäftsmodells noch nicht ausreichend klar. Bedenklich ist vor allem, dass nach IFRS 9 Marktstörungen, wie in der Finanzmarktkrise, keinen Wechsel des Geschäftsmodells und keine Umklassifizierung von Finanzinstrumenten rechtfertigen. Dies ist nach Auffassung des IDW kritisch zu sehen; es sollte stattdessen auf die Verwendungsabsicht für das einzelne Finanzinstrument abgestellt werden. IFRS 9 scheint außerdem die Gegebenheiten anderer Branchen, insbesondere der Versicherungswirtschaft, noch nicht ausreichend zu berücksichtigen.

Kritisch sieht zudem Dr. Michael Göttgens, Vorsitzer des IDW Bankenfachausschusses, dass die angestrebte Konvergenz von internationalen und US-amerikanischen Rechnungslegungsregeln noch nicht erkennbar wird. „Basierend auf den derzeitigen Vorschlägen sehe ich faktisch noch kein gemeinsames Vorgehen von IASB und FASB“, so Göttgens. Wesentliche Unterschiede zeigen sich etwa noch beim Umfang der Fair Value-Bewertung, der Möglichkeit zur Fortführung der Anschaffungskostenbewertung oder der erfolgsneutralen versus –wirksamen Erfassung von Abgangserfolgen.

Rechnungslegung von Kreditrisiken

Die derzeitigen Rechnungslegungskonventionen sowohl nach HGB als auch nach IFRS führen zu einer asymmetrischen (periodenverschiedenen) Vereinnahmung von Risikoprämien und Risikokosten. Entsprechend lässt sich die tatsächliche wirtschaftliche Lage eines Kreditinstituts aus den Zahlen der Gewinn- und Verlustrechnung nur schwer ableiten. „Die derzeit praktizierte Vereinnahmungsmethode verstärkt zudem die durch die Basler Eigenkapitalgrundsätze verursachten, volkswirtschaftlich unerwünschten Schwankungen des Kreditangebots (Prozyklik) und setzt darüber hinaus falsche Anreize in der Banksteuerung“, erläutert Gottfried Wohlmannstetter, Mitglied des IDW Bankenfachausschusses. Zur Lösung dieser Probleme hat der Bankenfachausschuss des IDW in einem im November letzten Jahres veröffentlichten Positionspapier eine Diskussion des „expected loss“-Modells vorgeschlagen. Auch das IASB hat in seiner jüngsten diesbezüglichen Verlautbarung dieses Modell zur Diskussion gestellt. Dabei werden nicht erst tatsächlich eingetretene Kreditverluste, sondern bereits die zu erwartenden Verluste, die aus einer historisch fundierten Verluststatistik abgeleitet werden, bilanziell berücksichtigt. Eine am „expected loss“ anknüpfende Wertberichtigung bzw. eine im Rahmen der Gewinnverwendung aufzubauende Kreditrisikorücklage könnten dazu beitragen, die oben beschriebenen Probleme des derzeitigen Wertberichtigungsregimes weitestgehend zu vermeiden.

Prüfung der Kreditinstitute

Die Neufassung des Rundschreibens der BaFin „Mindestanforderungen an das Risikomanagement – MaRisk“ vom 14.08.2009 enthält in Folge der Finanzmarktkrise zahlreiche Verschärfungen. Sie betreffen vor allem den angemessenen Umgang mit Liquiditätsrisiken, Risikokonzentrationen, Stresstests sowie Anreiz- und Vergütungssystemen. „Als Abschlussprüfer von Banken haben wir auch das Risikomanagementsystem zu prüfen“, erklärt Burkhard Eckes, Mitglied des IDW Bankenfachausschusses. „Dies ist von besonderer Bedeutung, da auch die Aufsicht die Feststellungen aus der Abschlussprüfung nutzt.“ Das IDW hat zur Prüfung des Risikomanagementsystems von Kreditinstituten eine Verlautbarung entwickelt, die diesbezüglichen „state of the art“ widerspiegelt.

Nichtsdestotrotz warnt Burkhard Eckes vor falschen Erwartungen: „Auch ein uneingeschränkter Bestätigungsvermerk ist keine Gewähr für den dauerhaften Fortbestand des Unternehmens oder für die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells.“ Die Aufsichtsorgane sind gefordert, die Informationen des Abschlussprüfers aktiv zu nutzen und unter Einbeziehung dieser Erkenntnisse möglichen Fehlentwicklungen vorzubeugen.

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