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PwC: IASB-Vorschlag zur Leasingbilanzierung ist unbefriedigend

  • IAS 17 wird abgelöst
  • Ungleichbehandlung von Leasinggeber und Leasingnehmer
  • Alle Verträge betroffen

PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft 17. August 2010, Pressemitteilung

Das International Accounting Standards Board (IASB) hat den Entwurf (Exposure Draft) des IFRS Standards "Leases" veröffentlicht, der eine fundamentale Änderung der Bilanzierung von Leasingverträgen bei Leasingnehmer und Leasinggeber vorsieht. Der Exposure Draft stellt einen wichtigen Schritt zur Reform der Leasingbilanzierung dar.

"Eine Überarbeitung der Leasingbilanzierung war angesichts der evidenten Schwachstellen in den derzeitigen Regelungen überfällig. Der vorliegende Entwurf ist jedoch insgesamt unbefriedigend, da die Regelungen teilweise im Widerspruch zum Framework der IFRS stehen und Kritikpunkte bei den Vorschlägen zur Leasinggeber-Bilanzierung bestehen bleiben. Der neue Standard wird weitreichende Auswirkungen auf die Leasingbranche haben. Leasinggesellschaften müssen sich frühzeitig mit den Konsequenzen beschäftigen, um ihre Konkurrenzfähigkeit nicht zu gefährden", sagt Michael Henneberger, verantwortlicher Partner für den Bereich Leasing bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC).

Kernelement des neuen Standards ist die einheitliche Behandlung aller Leasingverträge auf Seiten des Leasingnehmers. Zukünftig sind jegliche Nutzungsrechte aus Miet- und Leasingverträgen bilanziell zu erfassen. Eine Klassifizierung der Leasingverhältnisse in Operate und Financial Leases erfolgt nicht mehr, "off-balance"-Finanzierungen wird es nicht mehr geben.

Vor der Veröffentlichung des endgültigen Standards ist eine Kommentierungsfrist bis zum 15. Dezember 2010 vorgesehen; der Nachfolgestandard IAS 17 soll im Juni kommenden Jahres vorliegen.

"Es bleibt zu hoffen, dass sich die Boards vor Verabschiedung der endgültigen Fassung des neuen Leasingstandards mit der zu erwartenden Kritik auseinandersetzen und die Regelungen insbesondere im Hinblick auf Konsistenz und Komplexität nochmals auf den Prüfstand stellen", so Henneberger.

Der Standardentwurf ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen von IASB und Financial Accounting Standards Board (FASB), einen einheitlichen Standard zur Bilanzierung von Leasingverträgen zu entwickeln. Das Projekt Leases ist Teil des Joint Projects zur Harmonisierung der Rechnungslegungsstandards IFRS und US-GAAP.

Anwendungsbereich des Standards

Der neue Standard ist grundsätzlich von allen Unternehmen anzuwenden, die Miet- oder Leasingverträge anbieten beziehungsweise als Mieter oder Leasingnehmer abgeschlossen haben. Im Unterschied zum derzeitigen IAS 17 werden aber Leasingverträge über immaterielle Vermögenswerte, sowie Verträge, die wirtschaftlich als Verkauf beziehungsweise Kauf des Objektes angesehen werden, von der Anwendung des neuen Leasingstandards ausgeschlossen. Die Abgrenzungskriterien hierzu sind jedoch nicht eindeutig.

"Die Anwendung auch auf alle Mietverhältnisse zwingt nahezu alle Unternehmen dazu, zukünftig Leasingverhältnisse in ihren Bilanzen abzubilden. Insbesondere bei Mietern gewerblicher Immobilien werden sich erhebliche Auswirkungen auf die Bilanzsumme und die Eigenkapitalquote ergeben", sagt Burkhard Eckes, Leiter des Bereichs Banking and Capital Markets bei PwC.

Bewertungs- und Bilanzierungsmodelle

Leasingnehmer werden zukünftig jeden Miet- und Leasingvertrag in der Bilanz durch Aktivierung eines Nutzungsrechts und Passivierung einer Finanzschuld berücksichtigen müssen. Die Bewertung erfolgt über die Abzinsung der zukünftigen Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Vermieter beziehungsweise Leasinggeber. Während beim Leasingnehmer alle Verträge einheitlich abgebildet werden, wird auf Seiten des Leasinggebers weiterhin zwischen zwei Vertragstypen unterschieden. Trägt der Leasinggeber auch nach Abschluss des Vertrages weiter wesentliche Chancen und Risiken aus dem Objekt, so hat er zusätzlich eine Forderung auf die Zahlungsansprüche zu aktivieren und eine Verpflichtung zur Nutzungsüberlassung des Objektes zu passivieren ("Performance Obligation Modell"). Verbleiben keine wesentlichen Chancen und Risiken beim Vermieter oder Leasinggeber, ist das Objekt in der Bilanz in Höhe des übertragenen Nutzungsrechts durch eine Forderung zu ersetzen ("Derecognition-Modell").  "Der hybride Ansatz auf Seiten der Leasinggeber steht nicht im Einklang mit den Regelungen für den Leasingnehmer. Während die zu erwartenden erheblichen Bilanzverlängerungen beim Leasingnehmer aus bestehenden, bisher jedoch nicht bilanzierten Rechten und Verpflichtungen resultieren, suggeriert der neue Ansatz die Schaffung neuer Werte durch die Leasinggeber", sagt Henneberger.

Gewinn- und Verlustrechnung

In der GuV der Leasingnehmer kommt es durch die neue Bilanzierungsregelung zu Verschiebungen in zeitlicher und struktureller Sicht. Die konstanten Leasingzahlungen während der Vertragslaufzeit werden durch Abschreibungen und Zinsaufwand ersetzt. Durch die annuitätische Behandlung der Zinsanteile kommt es zu Beginn der Vertragslaufzeit zu höheren Belastungen des  Jahresüberschusses. Dieser Effekt kehrt sich zum Ende der Vertragslaufzeit entsprechend um.

"Die neue Abbildung der Aufwendungen aus Leasingverträgen wird das Bild der Gewinn- und Verlustrechnung deutlich verändern. Obwohl die neuen Regelungen insgesamt zu einem Aufwandsvorlauf führen, ist die Auswirkung auf das EBIT der Leasingnehmer zunächst positiv, da die Zinsanteile hier noch nicht erfasst sind ", sagt Eckes.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 31. Januar 2014 12:43

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